Ernährung

Eine gesunde Ernährung trägt wesentlich zur allgemeinen Gesundheit bei und hilft, zahlreiche Erkrankungen zu verhindern, zu verbessern oder auch zu heilen. Sich gesund zu ernähren reicht jedoch oft nicht aus. Es nützen auch die besten Lebensmittel wenig, wenn andere Systeme des Körpers wie der Darm oder auch die Leber nicht richtig funktionieren.
Auch das Immunsystem und chronischer Stress spielen hier eine entscheidende Rolle.

„Bei Obst, Gemüse und Getreide bestehen in der Regel 80 % bis 90 % des Ertrags an Trockengewicht aus Kohlenhydraten. Daher wird der Züchter, wenn er einen möglichst hohen Ertrag erzielen will, vor allem auf einen hohen Kohlenhydratanteil hin selektieren, wobei es keineswegs sicher ist, dass die Dutzende von anderen Nährstoffen und Tausende von sekundären Pflanzenstoffen im gleichen Maße zunehmen.“
– Donald. R. Davis, Physikochemiker.

 

Mit anderen Worten, wenn der Ertrag einer Nutzpflanze zunimmt, erhöht sich mit ziemlicher Sicherheit auch ihr Anteil an Kohlenhydraten auf Kosten des Anteils an Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Phytonutrienten. Im Folgenden stellen wir vier Belege dafür vor, dass der Gehalt an Mineralstoffen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Proteinen in unserer Ernährung in den letzten 50-100 Jahren tatsächlich stetig gesunken ist. Diese Belege stammen hauptsächlich aus Untersuchungen, die in den Vereinigten Staaten und Großbritannien durchgeführt wurden. Sie sich dabei abzeichnenden Grundtendenzen gelten jedoch weltweit.

 

Trends bei der weltweiten Ernährung:

1.Verarmung und Erschöpfung landwirtschaftlicher Nutzflächen
2. Selektion und Veränderung von Pflanzen für höhere Erträge
3. Ernte unreifer Früchte für effizienteren Transport und Lagerung
4. Wenig Bewegungsraum und einseitige Ernährung bei Fleischtieren und Geflügel

 

1. Erschöpfung landwirtschaftlicher Nutzflächen

Ein Bericht der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) belegt, dass 25 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen stark erschöpft sind. Weitere 8 % sind mäßig erschöpft und 36 % sind noch intakt oder leicht bis mittelschwer erschöpft (FAO, 2011). Darüber hinaus hat der Gehalt von organischen Substanzen im Boden im Durchschnitt um 50-65 % abgenommen, seit der Mensch seinen Lebensraum zum Kulturland umgestaltet (Lal, 2004).

Die Verarmung landwirtschaftlicher Nutzflächen führt automatisch zu einer niedrigeren Nahrungsqualität:
Was nicht im Boden ist, kann auch nicht auf unseren Teller gelangen. Dieses Problem tritt verstärkt in Südeuropa auf, wo ein Großteil unseres Obstes und Gemüses erzeugt werden (FAO, 2011). Die Ursachen dieser Verarmung liegen unter anderem in den modernen intensiven Anbaumethoden begründet, die seit der „Grünen Revolution“ in den 60er und 70er Jahren im großen Umfang eingeführt wurden. Intensive Anbaumethoden führen zu Verschmutzung, Wasserknappheit, Bodenerosion, Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Verringerung der Artenvielfalt. Außerdem findet häufig ein zu einseitiger Anbau statt.

Jede Pflanze entzieht dem Boden eine spezifische Mischung von Nährstoffen. Wenn immer nur ein und dieselbe Pflanze angebaut wird, hat der Boden keine Möglichkeit, diese Nährstoffe wieder zu ergänzen. Ein weiteres Problem liege in der Auswaschung der Böden als Folge der zunehmenden Intensität von Niederschlägen, warnt Agrarforscher Arjan Reijneveld (Reijneveld, 2014). Davon ist vor allem das Spurenelement Bor (B) betroffen, aber auch andere Spurenelemente sinken aufgrund ihrer geringen Größe immer tiefer in den Boden ab. Dort werden sie von den Pflanzen immer schlechter erreicht, sodass es ihnen immer schwerer fällt, alle benötigten Nährstoffe zu binden.

 

2. Selektion und Veränderung von Pflanzen für höhere Erträge

Seit der „Grünen Revolution“ hat sich der Ertrag an Kulturpflanzen in den Industrieländern um den Faktor zwei bis drei erhöht. Dies wurde unter anderem durch die Selektion und Veränderung von Pflanzen sowie den Einsatz von Kunstdünger erreicht. Der Ertrag scheint dabei jedoch umgekehrt proportional zur Nährstoffdichte zu sein, wodurch sich der Nährwert der Pflanzen stetig verschlechtert hat.

 

Studie an Himbeersträuchern

Eine Studie an Himbeersträuchern zeigt, dass die Verwendung von Kunstdünger (Phosphor) dazu führt, dass die Pflanze zwar einen höheren Ertrag bringt, dabei aber pro Gramm Trockengewicht vor allem ihr Gehalt an Phosphor zunimmt. Der Gehalt der acht weiteren untersuchten Mineralstoffe – Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Kupfer, Bor und Zink – nahm jedoch um bedenkliche 20-50 % pro Gramm Trockengewicht der Pflanze ab (Hughes et al., 1979).
Die „verdünnte“ Pflanze als Ganzes enthält tatsächlich mehr Nährstoffe. Was sich jedoch verschlechtert, ist das Verhältnis von Nährstoffen pro Gramm Trockengewicht. Daher müssten wir mehr von dieser Pflanze verzehren, um die gleiche Menge an Nährstoffen zu erhalten.
Es ist übrigens nicht der Kunstdünger allein, der zu diesen Auswirkungen führt. Auch andere ertragssteigernde Techniken – wie Bewässerung, Selektion und Hybridisierung – können zur Ausdünnung der Nährstoffdichte führen. Der Trend heißt: Je höher der Ertrag der Ernte, desto geringer die Nährstoffdichte.
Da der Ertrag der entscheidende Faktor beim Anbau, bei der Selektion und bei der Veränderung von Pflanzen bleibt – und ein Ende dieser Entwicklung angesichts des ständig wachsenden Bedarfs an Rohstoffen nicht abzusehen ist – ist zu erwarten, dass die Nährstoffdichte unserer Nahrung in Zukunft noch weiter abnehmen wird.

 

Historische Vergleichsstudie

Natürlich wüssten wir gerne, wie die genaue Zusammensetzung und Nährstoffdichte von Pflanzen in der Vergangenheit waren, um dies mit der heutigen Situation zu vergleichen. Historische Vergleichsstudien sind jedoch schwierig, da für viele Vitamine und Mineralstoffe keine Daten vorliegen, unter anderem deswegen, weil eine Reihe von Nährstoffen noch gar nicht bekannt war oder nicht gemessen wurde. Darüber hinaus ist es oft nicht möglich, eine bestimmte Pflanze oder ein bestimmtes Vitamin aus den vorliegenden Daten herauszufiltern, da es in den weitaus meisten Fällen nur um Gruppen von Pflanzen und/oder Vitaminen geht.
Die Aussagekraft dieser Untersuchung ist daher notwendigerweise begrenzt. Allerdings: Die vorliegende Untersuchung untermauert trotz ihrer begrenzten Aussagekraft dennoch strukturell die Auffassung, dass die Menge an Mineralstoffen und Vitaminen in unserer Ernährung seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts deutlich zurückgegangen ist. Drei Untersuchungen zu den in unserer Nahrung enthaltenen Nährstoffen deuten durchgängig auf eine Verringerung um 5-40 % oder sogar noch drastischer beim Gemüse hin. Eine Studie zeigt, dass auch der Anteil des pflanzlichen Proteins zurückgegangen ist (-6 %). Der eindeutigste Hinweis auf einen Rückgang bei 43 Nutzpflanzen ist bei Calcium (-17 %) und Kupfer (80 %) zu sehen. Vitamin A, Vitamin B2 und Vitamin C verringerten sich um 15-38 % (Davis et al, 2004; Mayer, 1997; Weiss und Broadley, 2005). Schließlich zeigt eine finnische Studie, dass der Gehalt an Kalium, Mangan, Zink, Kupfer, Magnesium, Calcium und Eisen in Gemüsen, Beeren, Äpfeln und Getreide im Zeitraum zwischen 1970 und 2000 stetig zurückgegangen ist. Überraschenderweise hat sich auch der Phosphorgehalt (Kunstdünger) verringert. Die einzige Zunahme war bei Selen zu beobachten, mit dem die finnischen Landwirte seit 1985 ihre Böden anreichern (Ekholm et al, 2007). Selen ist ein wichtiges Antioxidans, das Zellen und rote Blutkörperchen vor Schäden schützt.

 

3. Früchte werden unreif gepflückt

Aus Gründen der Logistik ist es „praktischer“, Früchte unreif zu pflücken: Dadurch überstehen sie besser auch längere Transportwege und können vor dem Verkauf länger gelagert werden. Diese Lösung wird von allen großen Supermärkten bevorzugt, da sie häufig keine direkte Zulieferung aus der Region verwenden. Allerdings werden viele Nährstoffe – darunter Vitamin C – nur beim Reifen in der Sonne an der lebenden Pflanze gebildet.
Mit anderen Worten: Je länger der Weg vom Obstbaum auf unseren Teller, desto weniger nahrhaft ist das Obst und desto mehr müssen wir davon essen.Nährstoffarmes Obst erzeugt somit ein verstecktes Problem: Die 25 Prozent Niederländer, die ausreichend Obst (zwei Stück pro Tag) essen, nehmen trotzdem immer noch zu wenige Vitamine auf, da sie strukturell vorwiegend kein Bioobst von fruchtbaren Böden verzehren.

 

4. Wenig Bewegungsraum und einseitige Ernährung bei Fleischtieren und Geflügel

Hühner, Schweine und Kühe, die nur wenig Bewegungsraum haben, sind kaum in der Lage, Muskelmasse zu entwickeln. Muskelmasse besteht aus Proteinen, die von unserem Körper in die benötigten Aminosäuren umgewandelt werden. Fleischtiere aus der Fabrik haben sich kaum bewegt, wurden oft mit Getreide gefüttert (welches nicht ihre natürlichen Nahrung ist und möglicherweise auf nährstoffarmen Böden angebaut wurde). Fleisch von solchen Tieren enthält viel Wasser und steckt häufig voller Antibiotika. Auch hier tritt also ein Verdünnungseffekt auf, aufgrund dessen man möglicherweise auch dann zu wenige Nährstoffe aufnimmt, wenn man sich an die geltenden Leitlinien für gesunde Ernährung hält.
Wenn wir Fleisch essen, sollten wir daher vor allem Wert auf die Muskelmasse legenund weniger auf die Größe des Steaks oder den günstigsten Preis. Genau wie beim Ertrag von Pflanzen sagt die Größe recht wenig über den Nährwert aus und, genau wie bei den Pflanzen, ist dies auf die intensiven Produktionsmethoden zurückzuführen. Wildtiere bewegen sich viel und ernähren sich mit natürlichen Nährstoffen, an die das Tier angepasst ist. Daher sind auch kleine Mengen von Wildtierfleisch sehr nahrhaft.
Sind Biolebensmittel die Lösung?Biolebensmittel lösen viele Probleme, aber nicht alle. Auch hier bleibt der verringerte Nährstoffgehalt der Böden ein Problem: Diese bilden die Basis der Nahrungskette und wirken sich daher auf alles andere aus. Und schließlich können auch die Biobetriebe nur wenig gegen die Auswaschung der Spurenelemente aus ihren Böden durch die zunehmende Niederschlagsintensität tun. Darum ist auch hier eine Basissupplementierung unverzichtbar, um Mangelerscheinungen zu verhindern.

 

Literatur

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